Donnerstag, 2. August 2007

Nanyuki Spinners and Weavers















In Nanyuki gibt es ein „Women Self Help Project“, welches knapp 140 Frauen ein Einkommen durch Wolle spinnen und Weben ermöglicht. Produziert werden Schals, (Wand-) Teppiche, Pullover und Decken. Ich habe mir den ganzen Herstellungsvorgang vom „Wolle Bürsten“ übers Spinnen, Waschen, Färben und Weben erklären lassen. Interessant ist, dass die „knalligsten“ Farben wie Gelb, Blau, Weinrot, Violett und andere Nuancen nur mit natürlichen Rohstoffen erzeugt werden. Dazu werden Pflanzen wie bestimmte Blumen, Roter Kabis, eine Minzenart oder spezielle Gräser verwendet, aber auch eine Art Pilz, welcher auf einem Kaktus wächst, sowie Käfer, die ein Pink-Rot erzeugen. Gegründet wurde das Projekt im Jahre 1977 durch den heutigen Kenianischen Präsidenten Mwai Kibaki, mit gerade nur sieben Weberinnen. Heutzutage arbeiten viele von zuhause aus und generieren so ein wichtiges Zusatzeinkommen, während sie gleichzeitig auf die Kinder aufpassen können.

http://www.spinnersandweavers.org/




Freitag, 27. Juli 2007

Der Berg ruft – Trekking am Mount Kenya















Nach der Annapurnarunde in Nepal und dem Inka Trail in Peru habe ich auf einer tollen Wanderung nun auch Afrika „ertrekkt“. Während fünf Tagen war ich zusammen mit Guide Francis und Träger/Koch Jaspert am Mount Kenya unterwegs; gestartet sind wir auf 2'900 m ü. M. und haben am vierten Tag den „Höhepunkt“ Point Lenana auf 4'985 m erreicht.
Die Landschaft am Berg ist sehr vielfältig, die Baumgrenze liegt auf ca 3'000 m, zuvor findet sich dichter Wald mit vielen Tierarten. Elefanten oder Zebras haben sich zwar nicht die Ehre gegeben, aber ich habe einen Leoparden gesehen, was sehr selten ist. Nachdem die Bäume weniger werden, macht sich vor allem eine Pflanze breit, die Baumlobelie mit ihrer buschigen Riesenblüte. Von Gletschern geformte U-förmige Täler, bizarre Felsformationen, weitläufige Heidelandschaften, kleine Seen, Gletscher und natürlich die spektakulären Gipfel des erloschenen Vulkans machen diesen Trek zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Geschlafen haben ich und ca. 20 andere Trekker in Hütten, welche mit eisig kaltem Wasser, dünnen Matratzen, Klos, Esstischen und Kochräumen ausgestattet sind. Es ist unglaublich, was die Träger alles an Essen den Berg hoch schleppen: Frisches Gemüse, Früchte, Fleisch, Teigwaren, Reis, Eier, Biscuits, Mehl für Mandazi (fritierte Teigfladen), Mais für Popcorn, Fruchtsäfte, Kakaopulver, und und und...
Die Träger sind sowieso ein Phänomen. Mit gut 25 kg auf dem Rücken brechen sie morgens später als die Wanderer auf, da sie erst noch packen müssen. Bei der Ankunft am Nachmittag in der Hütte jedoch, kann man sich gerade noch seiner stinkenden Socken entledigen und wird bereits höflich, aber bestimmt zu Tee und Snacks aufgefordert! Die unglaublichen Mengen an Nahrung, welche mir vorgesetzt wurden, konnte ich selten ganz aufessen und hatte dabei natürlich ein schlechtes Gewissen, da Jaspert schliesslich alles mitgetragen und gekocht hatte.
Der grosse Tag, an dem wir den dritthöchsten Gipfel des Berges in Angriff nahmen, begann um drei Uhr morgens. Mit Taschenlampen galt es 800 Höhenmeter auf gerade nur 3.5 km Distanz zu bewältigen. Die Dunkelheit erwies sich als Vorteil, verwehrte sie einem doch den Blick auf den steilen bevorstehenden Weg. Pünktlich zum Sonnenaufgang erreichten wir das Ziel und die Aussicht war atemberaubend. Mir machte der Aufstieg erstaunlicherweise sehr wenig Mühe, wohl vor allem da Francis ganz nach dem Motto „pole pole“ (langsam, langsam) schön gemütlich und mit kleinen Schritten voranging. Mehr zu beissen hatte ich bei den acht Stunden Abstieg, vor allem eine längere Moorlandpassage entlockte mir einige Fluchwörter; bescherte mir im Gegenzug dafür dreckige Hosen bis zu den Knien und nasse Füsse!
Dieser Trek war aber wirklich ein fantastisches Erlebnis und ich bin mit vielen schönen Eindrücken, etwas Stolz, dass ich es geschafft habe, schmerzenden Beinen sowie einem von Jaspert verliehenen Kikuyu-Namen - Wajiku („Watschiku“) – wieder nach Nanyuki zurückgekehrt.


















Dienstag, 17. Juli 2007

Feldarbeit












Nach viel Büroarbeit habe ich mit Joseph und dem Fahrer Ben endlich einige „meiner“ Stationen besucht. Da die Messungen aber vor fünf Jahren gestoppt wurden, waren die Testfelder und Meteorologischen Stationen nur noch ansatzweise vorhanden. Eine Station liegt auf 3'000 m ü M. am Mount Kenya in Bambuswald. Die Fahrt bergauf war ziemlich abenteuerlich und wir sind einige Male mit dem 4x4 umher- oder rückwärtgerutscht aber zum Glück nicht steckengeblieben. In früheren Jahren haben Joseph und seine Kollegen auch schon im Auto übernachtet, weil sie nicht mehr weiterkamen! Ich hoffe, dass ich dort oben ganz viele rote Blutkörperchen produziert habe ;) denn nächsten Samstag geht’s für fünf Tage trekken, zum dritthöchsten Gipfel des Berges mit 4'985 m ü M.
Am zweiten Tag war dann das pure Gegenteil angesagt, nämlich dürres, heisses Massailand. Die Erosion ist dort stellenweise extrem fortgeschritten, verstärkt dadurch, dass in den letzten Jahren unzählige Bäume für Holzkohle gefällt wurden. Da kaum Landwirtschaft möglich ist und die Massai vorwiegend Viehhirten sind, ist das Gebiet sehr stark abgegrast, was Wind- und Wassererosion fördert. Dass eine grosse Herde als Zeichen von Reichtum gilt, ist für die Bodenbedeckung natürlich auch nicht gerade förderlich. Privatland ist eingezäunt und die Unterschiede zum Massai Community land sind enorm.
In wenigen Stunden Autofahrt so verschiedene Landschaften zu finden, fand ich sehr eindrücklich und es war ebensosehr „Sightseeing“ wie „Arbeit“. Die Ausflüge beinhalteten auch noch etwas Mini Safari, immerhin haben wir einen Wasserbock, eine Gazelle, einige Dik-Diks (kleine Gazellenart), Paviane, einen Tukan und schöne blau-glänzende Vögel gesehen. Beim Entlangfahren an den umzäunten Parks konnten wir zudem einen Blick auf Zebras, Warzenschweine, Büffel und Giraffen erhaschen. Von Elefanten waren nur die Hinterlassenschaften sichtbar, aber zu Fuss möchte ich denen auch nicht unbedingt begegnen...

Oben: Eine Meteostation; eine Kristallkugel, mit der die Meteorologen das Wetter vorhersagen ;) (ok, es lässt sich damit „nur“ die Sonnenscheindauer bestimmen und das auch erst im Nachhinein, also nichts mit Hokuspokus); Agroforstwirtschaft (die Bäume verhindern Erosion); und ein Bambuswald auf 3'000 m ü M.
Unten: Erosion im Massailand; Joseph beim Versuch, einen Regenmesser und Ben ein Kabel am Auto wieder funktionstüchtig zu machen (unsere Weiterfahrt war zum Glück nicht gefaehrdet); Grenze zwischen Massai- (rechts) und Privatland (links)












Mittwoch, 11. Juli 2007

Meru











Letzten Sonntag habe ich einen Ausflug in die Kleinstadt Meru unternommen. Meru liegt ca. eineinhalb Stunden Matatufahrt entfernt und ist ein zentraler Ort für die Meruleute, eine der vielen Volksgruppen Kenias. Die Hinfahrt beinhaltete unverfälschtes Matatufeeling, der Kleinbus wurde mit immer mehr Leuten vollgestopft und so hatte ich schliesslich für den Grossteil der Fahrt ein süsses Kleinkind auf meinem Schoss. Seine Schwester, welche hinter mir sass, spielte zwischendurch verstohlen mit meinen Haaren und dachte, ich merke es nicht, hihi. Die Fahrt führte vorbei an viel Buschland, Schirmakazien, Drumlins (glazial geformte Hügel, für alle Nicht-Geographen oder Geomorphfreaks), aber auch an riesigen Gewächshäusern, in denen Blumen gezogen werden (Kenias Blumenindustrie erzielt jährlich über 350 Mio $). Die Weizen- und Gerstenfelder der Grossbauern sind auch eine Nummer grösser als bei uns...
Meru selber hat mich dann nicht umgehauen, es ist kleiner als Nanyuki, etwa gleich staubig und da Sonntag war, waren viele Geschäfte geschlossen. Ich besuchte das Meru National Museum, wo ich von einer adrett gekleideten Studentin geführt wurde und einiges über die Meru erfuhr sowie diverse Tiere wie Schlangen, ein Krokodil, Affen und Schildkröten bewundern durfte. Die Tiere gaben aber einen traurigen Anblick ab, da sie in kleinen Käfigen eingesperrt waren... Die einzige andere „Sehenswürdigkeit“ des Ortes ist das „Independence Monument“, welches auf dem Foto oben in der Mitte zu sehen ist.










Montag, 9. Juli 2007

Sag mir, wie Dein Auto heisst und ich sage Dir, wer Du bist.....

Ein Hobby von mir ist das Ausschau halten nach den Namen der hiesigen Matatus (Kleinbusse), Lastwagen, Motor – und Fahrräder. Die heissen nämlich nicht einfach Nissan, Toyota oder Mitsubishi, oder höchstens mit Vornamen. Die wahre Seele eines Vehikels macht der liebevoll vom Besitzer aufgepinselte „Kosename“ aus. Da gab es das Matatu „Young Gents“ in Nairobi, das Fahrrad „The Hunter“ oder das 4x4 Fahrzeug „Gracious ABBA“, welches in meiner Nachbarschaft zuhause ist und mir öfters am Morgen begegnet, ebenso wie der Kombi „Air Wolf“, den es sogar in doppelter Ausführung gibt!
Wer lieber mit Gottvertrauen befördert wird, kann zwischen den Matatus „Grace of God“, „God is able“, „Holy Bird“ oder „Blessed“ wählen oder aber sich an den Fahrer des Lastwagens „Yes Jesus“ wenden. Am wenigsten gerne zusteigen würde ich bei „Adios Amigo“ und „Dust Escort“ reizt mich auch nicht sonderlich. Dann schon eher „Unique“ „Sunrise“ oder „Nuclear“ – ob letzterer wohl mit Atomstrom fährt?! Das Thema der benamsten Fahrzeuge ist sogar meinem Reiseführer einen Abschnitt wert und gemäss diesem wurden schon „Homeboyz“, „God never fails“ und „Beyoncés“ gesichtet.
In Mombasa nimmt das ganze scheinbar etwas provokativere Ausmasse an, dort sollen „Blood Fist“, „Jihad“ und „Are you lonely when you’re dead“ herumkurven... Die Existenz eines Fahrrads namens „Saddam“ kann ich aber auch hier in Nanyuki bezeugen!


Mittwoch, 4. Juli 2007

Hopp hopp hopp, immer im Gallopp...

Letzten Sonntag habe ich einen Ausflug hoch zu Ross unternommen. Ich hab ja meine knapp 20 Jahre Erfahrung mit Pferden, aber das war sogar für mich ein bemerkenswerter Ausritt. Mein „Guide“ war Julius, er ist kleinwüchsig und arbeitet schon seit zehn Jahren in der Mountain Rock Lodge, wo mir „Boy“ anvertraut wurde, ein dunkles, kräftiges Pony. Julius reitet wie der Teufel und von den 1.5 h Ausritt haben wir eine gute Stunde im gestreckten Gallopp durch die Wälder am Fusse des Mount Kenya verbracht! Meine Beine und mein Allerwertester (es gibt also bequemere Sättel) haben sich in den folgenden Tagen folglich dann auch sehr schmerzlich bemerkbar gemacht...
Es war ein sehr heisser Tag und ich sah bereits die Pferde einen Hitzschlag erleiden, aber kenianische Pferde sind scheinbar aus ganz hartem Holz geschnitzt... Unser Ritt würde normalerweise drei (!) Stunden dauern und beinhaltete einen Abstecher zu den Mau Mau Höhlen, in welchen sich in den 50er Jahren die Mau Mau Widerstandskämpfer versteckt haben, im Kampf für die Unabhängigkeit von den Engländern. Dieses Extra blieb dann auch mein und Julius’ Geheimnis, da ich sonst mehr für die Tour hätte bezahlen müssen ;)
Nach unserem Ausritt, ohne zu trinken und mit fast nix im Magen, machten dann nicht etwa die Rösser schlapp, sondern ich! Mir wurde schwarz vor Augen, ich konnte gerade noch absteigen, bevor ich zusammenklappte und der arme Julius - mit seiner Körpergrösse von etwa 1.30 m – versuchte, mich aufzufangen! Aber keine Sorge, nix passiert und es war wirklich ein toller Ausflug.






Samstag, 30. Juni 2007

Nanyuki












Nanyuki schien mir zuerst ein mittelgrosses, staubiges Strassendorf zu sein, welches nicht gerade durch Schönheit besticht. Inzwischen kenne ich die meisten Strassen und Strässchen und mag den Ort nicht schlecht. Es hat unglaublich viele Tankstellen hier, nämlich sechs, drei Supermärkte, die allerdings nicht gerade riesig sind, Geschäfte für Tierfutter und Agrarprodukte im grossen Stil sowie unzählige Stände und Hüttchen mit allem von Sonnenbrillen über Ananas, Jacken, Telefonkarten, Gemüse, Töpfe bis Sandalen. Zu meinem Entsetzen gibt es scheinbar keinen einzigen Buchladen; was sich „Bookshop“ nennt, führt Bibeln und andere religiöse Bände sowie Schulhefte... Glücklicherweise brachte ich in Erfahrung, dass es hier eine Bibliothek gibt und nachdem ich dreimal da war und ein Formular sogar vom „Arbeitgeber“ CETRAD unterschreiben lassen musste, konnte ich endlich Bücher ausleihen! Essensgelegenheiten gibt es hier auch reichlich, viele gleich mit eigener Schlachterei, wo dann ganze gehäutete Ziegen im Schaufenster hängen.
Touristen oder Weisse sieht man hier sporadisch, oft Mitarbeiter von irgendwelchen Organisationen oder einheimische Farmer in riesigen 4x4s. Sinn macht ein geländetaugliches Auto durchaus, die (unasphaltierten) Strassen hier sind wirklich extrem schlecht, schlammig und seifig bei Regen, holprig sowieso und zwar heftig! Auf den Überlandstrassen sind zudem immer wieder nette kleine Schikanen eingebaut zur „Verkehrsberuhigung“; riesige Wälle, die - wenn übersehen – dem Auto und seinen Insassen wohl ernsthaften Schaden zufügen würden. Die Polizei kontrolliert alle paar Kilometer mit Stachelsperren am Boden, auch nicht zum überfahren empfohlen.
Nanyuki ist ein lebhafter, geschäftiger Ort und auf der Terasse des CETRAD zu stehen und dem Treiben zuzuschauen, ist eine nette Pausenbeschäftigung. Irgendwo läuft immer ein Lautsprecher mit Musik oder plärrendem Radio, Tiere werden auf alle möglichen Arten transportiert, Kühe auf dem Pick-Up, Hühner auf dem Fahrrad oder Kopf-nach-unten in der Hand, Ziegen im Matatu (Kleinbus), etc... und die Kapazität eines Gepäckträgers scheint nach oben unbegrenzt.